+43 676 77 22 800 | info@dr-kaliwoda.at

Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie
Facharzt für Allgemeinchirurgie
Spezialisierung Handchirurgie
Master in Reconstructive Microsurgery

Brustaufbau nach Tumoren

Allgemeines zum Thema Brustkrebs

Brustkrebs ist die häufigste bösartige Tumorerkrankung der Frau. Jede zehnte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Das Krankheitsrisiko steigt nach dem 40. Lebensjahr stark an. Das Durchschnittsalter bei Diagnosestellung Brustkrebs liegt bei 65 Jahren.
In zirka 5 - 10 % der Brustkrebspatientinnen liegt eine genetische Disposition (BRCA1 oder BRCA2) vor. Durch einen Gentest kann diese genetische Veranlagung festgestellt werden. Die Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens an Brustkrebs zu erkranken liegt bei mutierten BRCA1-Trägerinnen bei 65 %, bei Trägerinnen des mutierten BRCA2-Gens bei 45 %. Bei diesen Patientinnen kann auf Wunsch eine beidseitige prophylaktische Mastektomie (Brustentfernung) durchgeführt werden.
Durch die Vorsorgeuntersuchung und die ständige Entwicklung neuer Therapieverfahren liegt die Heilungsrate bei Brustkrebserkrankung heute bei 90 %. Eine Früherkennung des Tumors spielt dabei eine entscheidende Rolle. Das Österreichische Brustkrebsfrüherkennungsprogramm empfiehlt ab dem 40. Lebensjahr eine Mammografie im Abstand von 2 Jahren gemeinsam mit regelmäßigen Kontrollen beim Gynäkologen.
Die Therapie von Brustkrebs umfasst neben der operativen Entfernung des Tumors und des Wächterlymphknotens in der Achselhöhle (bei dessen bösartigen Befall ist die Entfernung sämtlicher Lymphknoten in der Achselhöhle notwendig) die Chemotherapie, Strahlentherapie und Hormontherapie. Die Auswahl des Operationsverfahrens wird von der Größe des Tumors bzw. dem Verhältnis der Größe des Tumors zur Brust bestimmt. Kann bei kleinen Tumoren (kleiner als 3 cm Größe) eine brusterhaltende Therapie (BET) durchgeführt werden, so ist bei größeren Tumoren oder beim Einwachsen in die Umgebung eine Mastektomie (Brustentfernung) notwendig. Im Anschluss an eine brusterhaltende Therapie ist in der Regel eine Bestrahlung erforderlich.

Allgemeines zum Thema Brustaufbau

Die Diagnose Brustkrebs stellt oft einen schweren Einschnitt im Leben der betroffenen Frau dar. Ist es einerseits die Belastung durch die Krebserkrankung selbst, so kommt andererseits die Angst vor der Verstümmelung durch die Operation hinzu. Hier kann die Plastische Chirurgie Hilfe und Ausweg durch die Wiederherstellung (Rekonstruktion) der Brust anbieten. In der Hand von Spezialisten auf dem Gebiet der Brustrekonstruktion können sehr gute Ergebnisse erzielt werden, die ein wiedergewonnenes positives Körpergefühl ermöglichen. Lange Zeit war der Brustaufbau nach Brustentfernung ein leider sehr vernachlässigtes Thema. Nur selten wurden Patientinnen über diese Möglichkeit informiert, und dann nur in wenigen spezialisierten Kliniken. Als Plastischer Chirurg liegt es mir am Herzen Aufklärungsarbeit auf diesem Gebiet zu leisten um möglichst vielen Betroffenen damit helfen zu können. In meiner täglichen Praxis sehe ich wie wichtig und positiv der Brustaufbau nach Brustkrebs für das Leben der betroffenen Frauen ist.
Eine Rekonstruktion kann im gleichen Schritt mit der Tumorentfernung durchgeführt werden (Sofortrekonstruktion). Eine Sofortrekonstruktion kann im Falle einer prophylaktischen Mastektomie durchgeführt werden, wo keine weiterführende Chemotherapie oder Bestrahlung zu erwarten ist. In geeigneten Fällen kann eine Sofortrekonstruktion auch bei einer bösartigen Brusterkrankung durchgeführt werden.
Der Brustaufbau kann aber auch mit gleichem Ergebnis nach abgeschlossener Chemotherapie und/oder Bestrahlung durchgeführt werden (Spätrekonstruktion).
Eine Rekonstruktion der entfernten Brustwarze und des Warzenhofes ist in einem gesonderten Eingriff etwa 3 Monate nach der primären Brustrekonstruktion möglich. Hierbei stehen verschiedene Arten der Rekonstruktion zur Verfügung.

Prinzipiell bieten sich zwei Arten der Brustrekonstruktion an.

• Rekonstruktion mit Fremdgewebe
• Rekonstruktion mit Eigengewebe

Rekonstruktion mit Fremdgewebe

Bei dieser Methode erfolgt die Brustrekonstruktion mit einem kochsalzgefüllten Implantat oder einem Silikonimplantat. Die Silikonimplantate sind die gleichen, die bei einer Brustvergrößerung verwendet werden. Bei der Sofortrekonstruktion wird das Implantat über den selben Zugangsweg wie die Brustentfernung eingesetzt. Dadurch können zusätzliche Narben vermieden werden. Bei der Spätrekonstruktion erfolgt der Zugang über die bestehende Narbe. In den meisten Fällen wird das Implantat unter den Brustmuskel platziert. Zusätzlich wird oft noch ein Netz zur Stützung des Implantates und zur besseren Definierung der Brustumschlagsfalte verwendet. Dieses Netz besteht entweder aus Kunststoff oder einer sterilen Gewebematrix.
Eine Brustrekonstruktion kann auch noch nach vielen Jahren nach Brustamputation mit sehr guten Ergebnissen durchgeführt werden. Da der Hautmantel für die ausgewählte Prothese primär zu klein ist, muss die Haut zuerst mit einem Gewebeexpander vorgedehnt werden. Damit wird für die spätere Silikonprothese Platz geschaffen. Der Expander wird im Abstand von einigen Wochen mehrmals mit Kochsalz aufgefüllt, bis die gewünschte Größe des Hautmantels erreicht ist. Nach dieser schonenden Dehnung der Haut wird der Gewebsexpander gegen die Silikonprothese getauscht.
Der Vorteil der Rekonstruktion mit einem Implantat liegt in der kurzen Operationsdauer (zirka 1 ½ bis 2 Stunden) und einem Krankenhausaufenthalt von etwa einer Woche. Der Nachteil von Implantaten ist die Möglichkeit einer Protheseninfektion und eine verstärkte Bindegewebsreaktion rund um die implantierte Prothese (Kapselfibrose). Eine solche Kapselfibrose kann zu Schmerzen führen, die eine Explantation der Prothese erforderlich machen können. Weiters beschreiben einige Patientinnen ein Fremdkörpergefühl durch die Silikonprothese. Nach einer vorangegangen Bestrahlung des Operationsgebietes sollte diese Methode des Brustaufbaus wegen der erhöhten Kapselfibroserate und dem durch die Bestrahlung leicht verletzlichem Gewebe möglichst nicht angewendet werden. Postoperative Schmerzen treten in den ersten 2 - 3 Tagen durch das Legen des Implantates unter den Brustmuskel auf, lassen sich aber mit einer entsprechenden Schmerztherapie gut beherrschen.

Rekonstruktion mit Eigengewebe

Zunehmend wird aus den unterschiedlichsten Gründen die Implantation von Fremdgewebe oder Kunststoff in den Körper abgelehnt. Der Wunsch nach einer Brustrekonstruktion mit körpereigenem Gewebe wird von immer mehr Frauen ausgesprochen. Die Weiterentwicklung auf dem Gebiet der Rekonstruktion mit Eigengewebe hat in den letzten Jahren einen enormen Fortschritt erfahren. Mit Hilfe der Mikrochirurgie (Verwendung eines Operationsmikroskops) ist es möglich gefäßversorgtes Gewebe von einem Ort (Spenderregion) zu einem anderen Ort (Empfängerregion) im Körper zu transplantieren.
Bis vor einigen Jahren wurde noch die Rekonstruktion mit gestielten Muskel-Fettlappen bevorzugt. Dabei wurde entweder der große Rückenmuskel („Latissimuslappen") oder einer der geraden Bauchmuskel („TRAM-Lappen) gemeinsam mit einer Hautinsel transplantiert. Da die Entnahme von Gewebe an diesen Körperstellen oft Einschränkungen (Hebedefekt) wie Bauchwandbrüche oder Muskelschwächung mit Bewegungseinschränkung verursacht, sind diese Operationstechniken zur zweiten Wahl geworden. Vielmehr bevorzugt die Rekonstruktive Chirurgie heute den freien Gewebetransfer von „Haut-Fett-Lappen" oder „Haut-Fett-Muskel-Lappen". Der Vorteil dieser Lappen liegt darin, dass sie an der Entnahmestelle nur zu geringen Komplikationen führen und ein sehr natürliches Gewebe für den Brustaufbau bieten. Dabei wird gefäßversorgtes Gewebe vom Unterbauch, Oberschenkel oder Gesäß transplantiert. Die Rekonstruktion kann als Sofortrekonstruktion, also zeitgleich mit der Brustentfernung erfolgen oder aber auch als Spätrekonstruktion in einem zweiten Schritt. In den meisten Fällen wird aber, nicht zuletzt wegen der langen Operationszeit (5 - 7 Stunden), die Rekonstruktion in einem zweiten Operationsschritt durchgeführt.

Diese diffizile Operation erfordert spezielle Kenntnisse und Erfahrung auf dem Gebiet der Rekonstruktiven Chirurgie. Durch meine jahrelange Tätigkeit als Plastischer Chirurg und mein postgraduelles Masterstudium in „Rekonstruktiver Mikrochirurgie" an der Universität in Barcelona kann ich auf diesem interessanten Teilgebiet der Plastischen Chirurgie auf viel Erfahrung und Wissen zurückgreifen.

Die häufigsten Spenderregionen stellen folgende Körperregionen dar:

• Unterbauch
„DIEP-Lappen" (Deep-Inferior-Epigastric-Perforater Flap)
Bei dieser OP-Technik wird der Unterbauch vom Nabel bis zur Bauchumschlagsfalte transplantiert und dann anschließend der Bauch gestrafft. Der DIEP-Lappen ist der am häufigsten durchgeführte Gewebetransfer für die Brustrekonstruktion und die Methode der ersten Wahl. Die Hebestelle ist dabei unauffällig, und das Gewebe des Unterbauches ist ähnlich dem Brustgewebe. Ein sehr natürliches und ästhetisch ansprechendes Erscheinungsbild der wiederhergestellten Brust ist mit diesem Lappen zu erreichen.

• Oberschenkel
„TMG-Lappen" (Transvers-Musculocutaneous-Gracilis Flap)
Hierbei wird eine horizontale Hautinsel gemeinsam mit einem Muskel von der Oberschenkelinnenseite entnommen. Die Funktion dieses Muskels wird automatisch von anderen Muskeln am Oberschenkel ersetzt. Diese Operationsmethode ist vor allem bei sehr schlanken Patientinnen oder bei bestehenden Voroperationen am Unterbauch eine sehr gute Alternative zum DIEP-Lappen. Das dabei transferierte Volumen ist kleiner als beim DIEP-Lappen, kann aber falls nötig postoperativ mittels Lipofilling (Eigenfetttransfer) problemlos angepasst werden.

• Gesäß
„SGAP-Lappen" (Superior-Gluteus-Arteria-Perforator Flap)
Im oberen Anteil vom Gesäß wird gefäßversorgt ein spitzovaler Hautlappen zum Transfer entnommen. Vom Volumen her entspricht dieser „Lappen" im Wesentlichen dem „DIEP-Lappen", ist vom Gewebe her aber kompakter und dadurch etwas schlechter formbar.

Ab drei Monate nach einer erfolgten Brustrekonstruktion können in einem weiteren Schritt die Brustwarze und der Warzenhof wiederhergestellt werden. Für die Rekonstruktion des Warzenhofes und der Brustwarze stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. So kann ein Teil des Warzenhofes und der Brustwarze von der gesunden Seite als Hauttransplantat verpflanzt werden. Weiters können lokale Lappenplastiken oder ein Hauttransplantat zur Anwendung kommen.

Die Operationsdauer bei der Rekonstruktion mit Eigengewebe beträgt aufgrund der intensiven Präparation und des Einnähens des Gewebelappens zwischen fünf und sieben Stunden. Der Krankenhausaufenthalt liegt bei zirka zwei Wochen, wobei in den ersten fünf Tagen Bettruhe eingehalten werden muss. Die Vorteile dieser Rekonstruktion sind unbestritten ein besseres und natürlicheres Körperempfinden durch das körpereigene Gewebe als durch Fremdgewebe. Auch kann die Form der Brust der zweiten Seite besser und stimmiger angepasst werden. Das Ergebnis ist langfristig und ohne Spätkomplikationen. Zudem klagen die Patientinnen seltener über postoperative Schmerzen.